Das Gerät
(das Akkordeon, die Quetschen, die Quetschkommode, das Schifferklavier, die Ziach)

Morino IV

Was ist eigentlich ein Akkordeon? Es gehört zur Familie der Handzuginstrumente, die der "Musikgattung" der Aerophone zuzuorden ist. Es sind sehr viele verschiedene Konstruktionen in Gebrauch. Hier die in Europa häufigsten Typen:

Ein Bayan bezeichnet ein chromatisches Knopfgriff-Akkordeon. Der Begriff stammt aus dem Russischen.

Das Piano-Akkordeon ist der in Österreich häufigste Typ und wird auch in unserem Orchester, mit einer Ausnahme, von allen Mitgliedern gespielt. Es ist ebenfalls chromatisch.

Als Besonderheit ausschließlich in Akkordeon-Orchestern findet man ein Bassakkordeon (dabei werden die Bässe auf der rechten Seite auf einer Piano-Tastatur gespielt, auf der linken Seite gibt es keine Tasten).

Außerdem ein Elektronium (ebenfalls nur eine Piano-Tastatur rechts, keine Tasten links), welches die Töne elektronisch erzeugt, aber, im Gegensatz zu z.B. einem Keyboard, durch den Spielwind moduliert wird.

Die "Steirische" bezeichnet ein im Diskant diatonisches Knopfgriff-Akkordeon, welches fast ausschließlich in der Volksmusik zu finden ist.

Daneben gibt es jede Menge weitere Typen, z.B. das Bandoneon, die Concertina, die Schrammelharmonika, das irische Akkordeon usw.

Die Tonerzeugung erfolgt wie bei einer Mundharmonika durch die Schwingung metallischer Stimmzungen, die durch den Spielwind angeregt werden. Insbesondere größere Instrumente verfügen jedoch über mehrere Zungen pro Ton bis hin zu fünf Stück. Die Anzahl der Zungen bezeichnet man als Chörigkeit, also z.B. ein fünfchöriges Instrument. Durch Registerdrücker können die Zungen in verschiedenen Kombinationen geschaltet werden, wodurch wahlweise nur eine oder auch alle gemeinsam benutzt werden. Hierdurch kann der Klang der Töne stark variiert werden.

Im Allgemeinen werden die unterschiedlichen Größen eines Pianoakkordeons nach der Anzahl der Bassknöpfe bezeichnet. Die kleinsten Instrumente für Schüler haben 24 Bassknöpfe, die großen Instrumente 120. Daneben gibt es noch so genannte Melodiebass-Instrumente (auch MIII genannt), die über weitere Knöpfe in der gleichen Stimmung wie der Diskant verfügen. Dies wird besonders für klassische Musik benötigt.

Ein Wort noch zu den für Nichtakkordeonspieler rätselhaften Knöpfen der Bassseite. Diese sind quer in Sechserreihen angeordnet, und das immer in der gleichen Reihenfolge: Terzbass -Grundbass - Durakkord - Mollakkord - Septimakkord - Verminderter Akkord. In vertikaler Richtung sind die Knöpfe in der Reihenfolge des Quintenzirkels angeordnet. Entgegen anders lautender Meinung ist es auf der Bassseite möglich, sämtliche Arten von Akkorden zu spielen, indem man zwei oder mehr Knöpfe gleichzeitig drückt. Dies erfordert allerdings einige Übung und wird besonders von Jazz-Akkordeonisten wie dem Österreicher Klaus Paier eingesetzt. Der Akkordeonspieler orientiert sich am Grundbass C, dessen Knopf mit einer durch die Fingerspitzen fühlbaren Vertiefung versehen ist. Sofern bei größeren Instrumenten vorhanden haben auch der E- und As-Grundbass eine Markierung, die die Orientierung erleichtert.

Die bekanntesten Instrumentenbauer für Pianoakkordeons stammen aus Deutschland, Frankreich und Italien. Ein, wenn nicht das entscheidendes Merkmal für die Qualität eines Akkordeons ist die Güte der Stimmzungen. Bei Spitzeninstrumenten werden diese ausschließlich in Handarbeit hergestellt. Billige Stanzware aus China wird leider natürlich auch verkauft. Der Klang ist dementsprechend.

Das Fachchinesische

Bass: Die linke Spielseite des Akkordeons
Cassotto: Dies ist ein zusätzlicher Schwingungsraum (Hohlraum) im Inneren des Instruments, welcher den Klang verbessert. Wird nur bei hochwertigen Instrumenten ausgeführt.
Chöre: Anzahl der Stimmzungen pro Einzelton
Chromatisch: Egal ob der der Balg auf Zug oder Druck gespielt wird, der Ton ist immer der Gleiche
Diatonisch: Da wechselt der Ton bei wechselnder Balgrichtung
Diskant: Die rechte Spielseite des Akkordeons mit entweder Piano- oder Knopftastatur
Quintenzirkel: Begriff aus der Harmonielehre. Ausgehend von C weitere Töne im Abstand je einer Quinte (Ges - Des - As - Es - B - F - C - G - D - A - E - H - Fis)
Spielwind: Durch die Öffnung und Schließung des Balges erzeugte Luft zur Anregung der Stimmzungen